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Patientenverfügungen effektiver gestalten

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06. Oktober 2015

Dass das Konzept der Patientenverfügung als solches gescheitert ist, will der Kölner Medizinrechter Prof. Dr. Christian Katzenmeier nicht gelten lassen. Er sieht das Advance Care Planning nicht als Alternative zur Patientenverfügung sondern als sinnvolle Ergänzung.

 

Damit sich moralische und rechtliche Verpflichtungen von Ärzten und möglicherweise auch Angehörigen nicht über den tatsächlichen Behandlungswillen des Patienten hinwegsetzen, sind Patientenverfügungen seit dem Jahr 2009 laut Gesetz verbindlich. Dafür, dass Patientenverfügungen dennoch nur bei einem Bruchteil der Behandlungen zum Einsatz kommen, sind insbesondere drei Faktoren verantwortlich:

  1. Trotz hohen Bewusstseins innerhalb der Bevölkerung um die Wichtigkeit einer Patientenverfügung, ist diese nach wie vor nicht weit verbreitet;
  2. Gibt es doch eine Patientenverfügung, ist sie im Notfall oftmals nicht zur Hand;
  3. Liegt die Patientenverfügung den Ärzten im Notfall tatsächlich vor, ist sie oft medizinisch nicht hinreichend konkret formuliert.

Laut Prof. Dr. Christian Katzenmeier von der Universität Köln ist hier gar kein von Grund auf neues Konzept nötig. „Es kann nicht darum gehen, sich von der Patientenverfügung zu verabschieden, vielmehr darum, diese effektiver zu gestalten“, so der Medizinrechtler. „Advance Care Planning erscheint als ein solcher neuer Ansatz, die Patientenverfügung in einen umfassenden Prozess gesundheitlicher Vorausplanung zu integrieren“ (1).

 

Was ist Advance Care Planning?

Das Advance Care Planning (ACP) kommt aus den USA, wo es seit den 1990er Jahren Anwendung findet. In Deutschland ist es bisher noch weitgehend unbekannt. Beim ACP handelt es sich um ein dynamisches Konzept, welches einen lebenslangen Gesprächsprozess zwischen dem Patienten und einem geschulten Dialogpartner vorsieht. Somit wird der Wille des Patienten nicht nur punktuell festgelegt, sondern fortwährend unter wechselnden Bedingungen überprüft. Hierbei können eventuell auftretende Unklarheiten, Ängste und Missverständnisse im persönlichen Gespräch ausgeräumt werden; neugestellte Diagnosen werden umgehend in den Gesprächsverlauf integriert und der Behandlungswille entsprechen angepasst (2).

 

Quellen:
(1) Katzenmeier, C.: Advance Care Planning. Enormer Beratungsbedarf. 25.09.2015, www.aerzteblatt.de
(2) Barnikol, U., Beck, S. et.al.: Eine dynamische Form der Patientenverfügung. 17.08.2015, www.aerztezeitung.de

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