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Patientenverfügung: Ärztekammer Niedersachsen erstellt neue Vorlage

3 min Lesedauer

2. Mai 2017

Die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) hat ihre kostenlose Vorlage für Patientenverfügungen aktualisiert. Wir von DIPAT fragen uns: Braucht es uns noch?

In diesem Artikel erfahren Sie:

Was hat die Ärztekammer Niedersachsen verbessert?

Die gute Nachricht: Die Vorlage der Ärztekammer hat sich verbessert. Ihrem Anspruch, den Forderungen des Bundesgerichtshofes nach präziseren Formulierungen nachzukommen, erfüllt sie in einigen Punkten tatsächlich.1 Konkretere und zahlreichere Beispiele sorgen dafür, dass die Patientenverfügung mehr Situationen abdecken kann. Dadurch können Ärzte zielgerichteter handeln. Der Willen des Patienten ist dann klar und deutlich zu erkennen oder zumindest besser zu mutmaßen. Die ÄKN hat erkannt, dass ihre bisherige Vorlage ungenügend war und an einigen Stellen nachgebessert.

Die zweite gute Nachricht lautet: Wir bei DIPAT dürfen unsere Jobs trotzdem behalten. Obwohl die Ärztekammer sich offenbar ein Beispiel an DIPAT genommen hat, fehlen auch in ihrer überarbeiteten Vorlage die entscheidenden Fähigkeiten einer wirksamen Patientenverfügung. Hierauf weist die Ärztekammer indirekt sogar selbst hin: Ohne vorherige ärztliche Konsultation sollte ihre Vorlage nicht angewandt werden, teilte sie mit. Dieser Hinweis lässt den Schluss zu, dass die Ärztekammer ihrer eigenen Vorlage nicht viel zutraut.2

 

Warum reicht auch die überarbeitete Vorlage der ÄKN nicht aus?

Nun zu den schlechten Nachrichten: Die ÄKN hat mehr als ein halbes Jahr benötigt, um ihre alte, unzureichende Patientenverfügung auf einen aktuelleren rechtlichen Stand zu bringen. Einen ausreichenden Umfang an konkreten Festlegungen erreicht die Vorlage der Ärztekammer jedoch nicht. Es steht zu befürchten, dass Patientenverfügungen, die auf der Vorlage der Ärztekammer basieren, im Ernstfall wirkungslos bleiben. So etwas möchte DIPAT verhindern. Sobald es rechtliche oder medizinische Änderungen im Bereich Patientenverfügung gibt, informieren wir Sie sofort und geben Ihnen Hinweise zur Umsetzung.

Unerfreulich an den Vorschlägen der Ärztekammer ist übrigens auch: Sollten Sie sich für die Vorlage der ÄKN entscheiden, wird ihr Portemonnaie wieder mal schwerer. Nach Vorstellung der ÄKN sollen Sie darin nämlich eine zusätzliche Karte tragen, die auf die ÄKN-Patientenverfügung hinweist. Wer aber wie DIPAT aus der Notfallmedizin kommt weiss: Dieser Vorschlag geht völlig an der Realität vorbei. Kein Rettungsdienst und keine Klinik durchsucht ihr Portemonnaie nach einer solchen Karte und selbst wenn die zufällig gefunden wird, nützt sie nichts. Denn eine Hinweiskarte, ohne Volltext der Patientenverfügung ist nutzlos.

Anders der Notfallaufkleber von DIPAT für Ihre Krankenversichertenkarte. Mit ihm kann Ihre online hinterlegte DIPAT-Patientenverfügung überall und jederzeit im Volltext abgerufen werden. Und da sich der Aufkleber auf der Versichertenkarte befindet, kann er im Notfall auch gefunden werden – denn diese Karte suchen Rettungsdiensten und Kliniken ganz automatisch von sich aus.

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Quellen:
1 aerzteblatt.de, 24.04.2017, Ärztekammer Niedersachsen überarbeitet Patientenverfügung
2 aerztekammer niedersachsen, 24.04.2017, Ärztekammer-Präsidentin Dr. med. Martina Wenker: „Wer für den Notfall vorsorgt, nimmt engsten Vertrauten die Last von den Schultern

2 Kommentare

Kommentieren

  1. Mike (07.05.2017 - 08:14 Uhr)

    Hallo Dipat,
    Das Argument der laufenden Aktualisierung und Anpassung der Patientenverfügung durch das von euch skizzierte Dialoginstrument „Wir weisen Kunden aktiv auf Anpassungsbedarfe hin“ klingt erst mal toll und vermittelt das Gefühl, ständig up to date bleiben zu können. Woher begründet sich jedoch Euer Anspruch, zeitnah, umfassend und vollständig sowie ganz korrekt und richtig diesen Dialog führen zu können. Bei der ÄKN sitzen doch auch Leute, die vermutlich genau diesen Anspruch haben und auch Experten sind. Die haben aber „Dinge vergessen“ was Dipat niempassieren würde – wie werdet Ihr dem wirklich in Realität gerecht?

    Anderes Thema „Auffindbarkeit“: wie funktioniert das heute in der ärztlichen Praxis? Welchen Stellenwert hat die Gesundheitskarte wirklich als Impulsgeber und warum? Welche anderen Wege/Quellen sind möglich und angedacht (zB iOS HealthApp?) bzw. Wo im Notfallbehandlungsprozess gibts überhaupt noch alternative Kontaktpunkte?

    Tolle Idee! Viel Spass und Erfolg im SpinLab…

    • Franziska Weber (08.05.2017 - 17:11 Uhr)

      Hallo Herr Gräfe,

      danke für Ihren Kommentar und die interessanten Fragen. Unser Gründer, Dr. Paul Brandenburg, ist selbst Notarzt und steht in ständigem Austausch mit unserem Beirat, der u.a. aus Ärzten und Rechtsanwälten besteht. Dieser stellt sicher, dass unser Interview, welches die Grundlage für den Fachtext der DIPAT-Patientenverfügung ist, auf dem neuesten Stand bleibt. Sicherlich gibt es auch andere Experten für Patientenverfügungen. Tatsache ist aber leider auch, dass die Mehrheit der bisherigen Patientenverfügungen in der Praxis nicht bestehen können, besonders Ankreuzformulare und Textbausteine.

      Die Gesundheitskarte wird im Notfall immer gesucht. Das hat einen einfachen Grund: Die Behandlungen des Patienten müssen vom Arzt oder dem Krankenhaus abgerechnet werden.

      Was wir uns wirklich für die Digitalisierung des Gesundheitswesens wünschen? Nutzerfreundlichkeit. Wir wollen als Service für Patientenverfügungen mit auf den Chip der Gesundheitskarte, damit jeder Arzt sofort sehen kann, dass der Patient eine Patientenverfügung hat.

      Bleiben Sie gesund.
      Viele Grüße,
      Ihr DIPAT-Team

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