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Notarzt mit menschlichem Organ in der Kühlbox

Wird Organspende Pflicht? Woran man denken sollte

2 min Lesedauer

7. September 2018

Wird nun jeder automatisch Organspender? Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat mit seinem jüngsten Vorschlag eine Diskussion ausgelöst.

Statt sich aktiv für eine Spende zu entscheiden, soll künftig jeder automatisch zum Organspender werden – es sei denn, es gibt eine schriftlich dokumentierte Entscheidung der Person dagegen. Auch Angehörige des Betroffenen sollen eine Spende noch ablehnen dürfen. Ein entsprechender Gesetzentwurf existiert bisher nicht, stattdessen soll im Bundestag über das Thema debattiert werden.

In diesem Artikel erfahren Sie:

 

Warum hat der Gesundheitsminister diese Änderung vorgeschlagen?

Hintergrund von Spahns Vorstoß dürften die sinkenden Spenderzahlen sein. Sie erreichten 2017 ein Rekordtief: Auf mehr als 10.000 Wartende kamen nur 797 spendende Personen. Täglich sterben in Deutschland im Durchschnitt drei Menschen, während sie auf der Warteliste für eine Organtransplantation stehen. Mit der vorgeschlagenen Neuregelung sollen wieder höhere Spenderzahlen erreicht werden.

 

Was bedeutet „doppelte Widerspruchslösung”?

In Deutschland muss man sich derzeit aktiv für eine Spende entscheiden (z. B. in der Patientenverfügung). Dagegen gilt in anderen Länder wie beispielsweise Frankreich, den Niederlanden oder Spanien die Widerspruchslösung: Hier ist die Organspende der Regelfall und nur wer der Spende aktiv widerspricht, ist davon ausgeschlossen. Haben zudem die Angehörigen das Recht, eine Organentnahme nach dem Tod abzulehnen, handelt es sich um die sogenannte „doppelte Widerspruchslösung“.

 

Was würde sich in Deutschland ändern?

Mit Einführung einer Widerspruchsregelung müssten all diejenigen aktiv werden, die eine Entnahme aller oder einzelner Organe ablehnen. Wie bisher könnte man seine Entscheidung u. a. im Organspendeausweis oder der Patientenverfügung festhalten. Allerdings gilt in diesem Fall: Die Dokumente müssen rechtzeitig vor Ort sein. Andernfalls würde im schlimmsten Fall trotz Ablehnung eine Organentnahme durchgeführt. Wer sichergehen möchte, hinterlegt seine Entscheidung daher nicht nur in Papierform, sondern auch online: Eine Online-Patientenverfügung beispielsweise ersetzt einen analogen Organspendeausweis und steht im Notfall jederzeit zum Abruf bereit.

 

Autorin: Annemarie Block

4 Kommentare

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  1. Ulrich Haupt (16.11.2018 - 11:28 Uhr)

    Das ist wirklich schrecklich, dass keiner spendet!

  2. Jayda & Maria (09.05.2019 - 12:42 Uhr)

    Es ist schade dass jeder die Lage so sieht wie sie ist, aber nicht viele was dagegen unternehmen und meist nur mitredet. Es ist meiner Meinung nach ein erntses Thema, schließlich sterben viele Menschen unter dieser Bedingung. Da die Organe erst nach dem Feststellen vom Hirntod zum Beispiel transplantiert werden, und die betroffene Person nicht mehr „anwesend“ ist, verstehe ich nicht, wieso man die Organspende verweigern kann wenn man doch weiß dass man damit einer anderen Person das Leben retten kann.

    • Janine Kaczmarzik (15.05.2019 - 10:23 Uhr)

      Liebe Jayda, liebe Maria,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Das Thema Organspende ist tatsächlich sehr sensibel und jeder hat seine ganz persönliche Meinung dazu: Viele Menschen sehen Organspende ebenso wie Sie als moralische Verpflichtung an. Genauso gibt es allerdings auch Personen, die zum Beispiel aufgrund anderer ethisch-moralischer Überzeugungen oder Ihrer Religion dagegen sind.

      Deswegen gilt in Deutschland zurzeit die Entscheidungslösung: Dadurch kann jeder Mensch ganz individuell festzulegen, ob er seine Organe spenden möchte oder nicht. Diese Entscheidung sollte man am besten schriftlich in einer Patientenverfügung festhalten, man kann aber auch einen Organspendeausweises dafür nutzen.

      Aktuell stehen jedoch verschiedene neue Gesetzesentwürfe, wie zum Beispiel die von Jens Spahn vorgeschlagene Widerspruchslösung zur Debatte. Danach würde jeder Mensch als potentieller Spender angesehen, solange er oder seine Angehörigen sich nicht aktiv dagegen ausgesprochen haben. Ob dieser Vorschlag angenommen wird, soll im Herbst vom Bundestag entschieden werden.

      Wir hoffen, diese Ausführungen waren hilfreich für Sie.

      Viele Grüße aus Leipzig
      Ihr DIPAT-Team

  3. anni (12.11.2019 - 10:52 Uhr)

    gut

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