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Vorsorgevollmacht – Die wichtigsten Fragen beantwortet

6 min Lesedauer

Sie möchten Ihrem Partner oder einer anderen nahestehenden Person eine Vorsorgevollmacht ausstellen? Dann sollten Sie wissen, was eine Vorsorgevollmacht ist und wo der Unterschied zur Patientenverfügung liegt. 

Die wichtigsten Informationen und alles, worauf Sie achten müssen, stellen wir Ihnen in diesem Artikel vor. Sie gelangen hier direkt zur Infografik.

 

Was ist eine Vorsorgevollmacht?

Die Vorsorgevollmacht ist ein Dokument, mit dem Sie „persönliche Stellvertreter“ für alle Bereiche des Lebens bevollmächtigen können. Die Stellvertreterin bzw. der Stellvertreter kann etwa über Bankangelegenheiten, Wohnungsfragen und Ähnliches entscheiden. Auch die Entscheidung über gesundheitliche Fragen kann mit einer Vorsorgevollmacht übertragen werden. Wenn Sie also nicht die Möglichkeit haben, Ihren Willen zu äußern, weil Sie z.B. im Koma liegen, kann Ihr Bevollmächtigter stellvertretend für Sie Entscheidungen treffen.

 

Was ist, wenn ich keine Vorsorgevollmacht besitze?

Wenn etwas Wichtiges entschieden werden muss (etwa eine Mietangelegenheit), Sie Ihren Willen aber nicht mehr äußern können und keine Vorsorgevollmacht besitzen, wird das Betreuungsgericht einen Betreuer für Sie bestellen. Das Betreuungsgericht wird Ihnen wahrscheinlich eine vertraute Person als Betreuer zuweisen, es kann aber auch eine fremde Person bestimmen.

Achtung: Ihre Angehörigen sind nicht automatisch berechtigt, Sie zu vertreten.

Wenn Sie bereits eine konkrete Person als potentiellen Betreuer für das Gericht vorschlagen möchten, können Sie dies mit einer Betreuungsverfügung tun. Die Betreuungsverfügung können Sie auch verwenden, wenn Sie eine Person oder Einrichtung für Ihre Betreuung unbedingt ausschließen wollen.

 

Reicht auch eine Generalvollmacht? Was ist der Unterschied zwischen einer Generalvollmacht und einer Vorsorgevollmacht?

Mit einer Generalvollmacht bemächtigen Sie eine oder mehrere Personen, Sie ganz allgemein zu vertreten. In der Generalvollmacht enthaltene allgemeine Formulierungen wie “die Person vertritt mich in allen Angelegenheiten” sind aber nicht ausreichend, um über alle Aspekte Ihres Lebens zu entscheiden.

Damit die von Ihnen bevollmächtigten Personen Sie auch in gesundheitlichen Fragen vertreten dürfen, etwa wenn es um medizinische Behandlungen oder die Unterbringung in einem Pflegeheim geht, muss eine Vorsorgevollmacht erstellt werden. Im Gegensatz zur Generalvollmacht ist die Vorsorgevollmacht also spezifischer. Daher wird sie auch von der Bundesärztekammer empfohlen.

Denken Sie nicht zuletzt daran, Ihren potentiellen Bevollmächtigten darüber zu informieren, dass Sie ihn als Stellvertreter einsetzen möchten. Selbst nach Eintritt Ihrer Geschäftsunfähigkeit kann der von Ihnen eingesetzte Bevollmächtigte die Vollmacht nämlich noch widerrufen.

 

Kann eine Vorsorgevollmacht auch ein Risiko für mich sein?

Eine Tatsache macht die Vorsorgevollmacht besonders gefährlich: Es gibt kaum Schutz vor einer missbräuchlichen Verwendung.

Der eigentliche Vorteil der Vorsorgevollmacht, nämlich, dass sie direkt nach der Anfertigung gültig ist, kann auch ein Risiko darstellen. Da die Vorsorgevollmacht nicht unbedingt notariell beglaubigt werden muss, ist sie sofort einsetzbar. Ist die Vollmacht einmal ausgestellt, kann der Stellvertreter jederzeit nach eigenem Ermessen die Vollmacht irgendwo vorlegen, um in Ihrem Namen zu handeln – um beispielsweise beim Vermieter die Wohnung zu kündigen.

Gedacht ist die Vorsorgevollmacht natürlich nur für solche Fälle, in denen man selbst nicht mehr handeln kann, beispielsweise bei einer Krankheit. Ob Sie aber zu einem bestimmten Zeitpunkt wirklich krank und handlungsunfähig sind, kann derjenige, dem die Vollmacht vorgelegt wird, meistens kaum überprüfen.

Experten raten aus diesem Grund zur besonderen Vorsicht und empfehlen anstelle einer Vorsorgevollmacht besser eine Betreuungsverfügung zu errichten, wie sie in der DIPAT-Patientenverfügung enthalten ist. Falls man trotzdem eine Vorsorgevollmacht bevorzugt, gibt es weitere Möglichkeiten, sich vor dem Missbrauch der Vorsorgevollmacht zu schützen.

 

Was ist der Unterschied zur Patientenverfügung?

Manche denken: „Ich brauche keine Patientenverfügung, denn meine Frau hat eine Vorsorgevollmacht für mich.“ Dieser Irrtum ist ebenso verbreitet wie schwerwiegend.

Eine Vorsorgevollmacht kann keine wirksame Patientenverfügung ersetzen. Im Unterschied zur Patientenverfügung regelt die Vorsorgevollmacht nämlich nicht, welche Behandlung der Vertretene im medizinischen Einzelfall selbst wünscht. Diese Entscheidung wird vielmehr an den Stellvertreter abgegeben.

Verlässt man sich allein auf eine Vorsorgevollmacht, überfordert man dem Bevollmächtigten unter Umständen mit schweren Entscheidungen über Leben und Tod. Vom Stellvertreter wird dann mehr erwartet, als ihm oder ihr zuzumuten ist. Abgesehen davon, ist selbst der Beste aller Stellvertreter unmöglich zu jeder Tages- und Nachtzeit immer und überall sofort zur Stelle.

 

Dr. Paul Brandenburg erklärt, warum eine Vorsorgevollmacht allein oft nicht ausreicht.

Wozu brauche ich eine Patientenverfügung, wenn ich eine Vorsorgevollmacht habe?

In der Patientenverfügung beschreiben Sie medizinisch genau, unter welchen Voraussetzungen und für welche Folgen Ihr Wille als Patient gelten soll. Deswegen werden Ärzte und Gerichte zuerst Ihre Patientenverfügung bei der Entscheidungsfindung berücksichtigen und anschließend Ihren Betreuer anhören. Denn auch die nächsten Angehörigen oder engsten Freunde werden kaum lückenlos den Behandlungswillen eines Patienten kennen können.

Besitzen Sie keine Patientenverfügung, sondern nur eine Vorsorgevollmacht reicht dies für medizinische Notfälle allerdings oft nicht aus. Eine Vorsorgevollmacht gibt Ihnen nicht die Möglichkeit, Ihre medizinischen Behandlungswünsche zu definieren, sondern überträgt lediglich die Verantwortung über diese Entscheidungen an Ihren Stellvertreter.

 

Wie erstelle ich eine gültige Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung?

Laut einem aktuellen BGH-Urteil müssen die Patientenverfügung UND die Vorsorgevollmacht hinreichend konkret sein, um gültig zu sein.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat im Juli 2016 ein weitreichendes Urteil zu Patientenverfügungen und auch Vorsorgevollmachten gefällt. Faktisch erklärt er alle für wirkungslos, die unpräzise Festlegungen zu Umfang und Grenzen „lebensverlängernder Maßnahmen“ beinhalten. Eine schlechte oder unvollständige Patientenverfügung kann durch eine Vorsorgevollmacht also nicht „gerettet“ werden. Vielmehr besteht bei einer mangelhaften Patientenverfügung sogar die Gefahr, dass deren Mangel auch auf die Vorsorgevollmacht durchschlägt und diese ebenfalls unwirksam macht. Dieses Problem trifft nach ärztlicher Erfahrung auf den ganz überwiegenden Teil aller in Deutschland bisher erstellten Verfügungen zu. Wenn Sie mehr über das Gerichtsurteil erfahren wollen, schauen Sie sich unseren Artikel “BGH-Urteil: Millionen Patientenverfügungen wirkungslos” an.

 

Woher bekomme ich eine gute Vorsorgevollmacht?

Für die meisten Lebenssituationen genügt hierfür die einfache und kostenlose Vollmachtsvorlage des Bundesministeriums der Justiz. DIPAT-Nutzer erhalten beliebig viele Vorsorgevollmachten nach diesem Muster als kostenfreie Zusatzleistung zu ihrer DIPAT-Patientenverfügung. Eine solche, einfache Vorsorgevollmacht wie sie für die meisten Menschen ausreicht, muss nicht vom Notar beurkundet werden.

 

Wann muss ich die Vorsorgevollmacht vom Notar beurkunden lassen?

Hat man besondere rechtliche Dinge zu regeln oder juristische Fragen, sollte man in jedem Falle den Rat eines Rechtsanwalts oder Notars einholen. Sollten in der Vorsorgevollmacht sogar Entscheidungsbefugnisse über Grundstückseigentum oder über eigene Wirtschaftsunternehmen geregelt werden, ist eine notarielle Beurkundung zwingend notwendig. Ansonsten reicht die einfache Vorsorgevollmachtsvorlage vom Bundesministeriums der Justiz, die nicht beurkundet werden muss.
*Im Zweifel zum Notar*

 

Vorsorgevollmacht ist gut, Patientenverfügung + Betreuungsverfügung ist besser

Wenn man eine wirksame Patientenverfügung besitzt, kann eine Vorsorgevollmacht eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie bringt in Kombination mit der Patientenverfügung zusätzliche Sicherheit in Angelegenheiten, die mit einer Patientenverfügung nicht geregelt werden, beispielsweise Geld- und Wohnangelegenheiten.

Die Kombination von Patientenverfügung, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht ist die umfassendste und wirksamste Lösung. DIPAT bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihre Patientenverfügung dauerhaft online zu hinterlegen. Damit sie im Notfall sofort abrufbereit ist, bekommen Sie einen Notfallaufkleber mit persönlichem Abrufcode, den Sie auf Ihre Krankenkassenkarte kleben können. Diesen Service (Patientenverfügung, Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht und integrierten Organspendeausweis) bieten DIPAT Ihnen für 48 Euro für 4 Jahre.

 

Die wichtigsten Informationen aus dem Text finden Sie auch in dieser Infografik.

 

 

Infografik


Wenn Sie mehr über das Thema Patientenverfügung wissen möchten: Hier erklären wir, worauf es bei einer wirksamen Patientenverfügung ankommt.

4 Kommentare

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  1. Frank (06.04.2018 - 10:06 Uhr)

    Guten Tag,
    dies ist ein sehr informativer Artikel.
    Eine Vorsorgevollmacht ist sehr wichtig.
    Über dieses Thema habe ich oft nachgedacht.
    Es ist schwer differenzierte Infos im Netz darüber zu finden.
    Dies wird mir bei meiner Recherche zu dieser Materie sehr weiterhelfen.
    Ich danke Ihnen. https://www.notariat-konradt.at/

    • Janine Kaczmarzik (08.05.2019 - 15:16 Uhr)

      Lieber Frank,

      vielen Dank für Ihr positives Feedback, wir freuen uns sehr, dass wir Ihnen mit unserem Artikel weiterhelfen konnten! Bitte entschuldigen Sie, dass wir trotzdem erst jetzt dazu gekommen sind, uns zurückzumelden.

      Die vorsorgliche Willensbekundung ist wirklich ein wichtiges Thema, über dass sich jeder frühzeitig Gedanken machen sollte. Gut informiert zu sein, ist dafür der erste wichtige Schritt. Wenn Sie noch Fragen zum Thema Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung haben, können Sie sich gern jederzeit an unseren Kundendienst wenden. Sie erreichen ihn telefonisch unter 0341 392 935 60 oder per Email unter kundendienst@dipat.de.

      Viele Grüße aus Leipzig
      Ihr DIPAT-Team

  2. Nicole Kuc (24.08.2018 - 11:01 Uhr)

    Kann ich als Familienmitglied wenn ein sogenannter freunde eine Vorsorgevollmacht hat das anfechten wenn ich nicht möchte das er sie hat

    • Janine Kaczmarzik (08.05.2019 - 15:03 Uhr)

      Liebe Frau Kuc,

      vielen Dank für Ihre Frage und Entschuldigung für die verspätete Rückmeldung unsererseits.

      Da Sie eine sehr spezifische Frage haben, bitten wir Sie, sich an unseren Kundendienst zu wenden. Sie erreichen ihn telefonisch unter 0341 392 935 60 oder per Email unter kundendienst@dipat.de. Er beantwortet Ihnen gern alle Fragen zum Thema Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.

      Viele Grüße aus Leipzig
      Ihr DIPAT-Team

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