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Vorsorgevollmacht: Unbedingt vor Missbrauch schützen

Vollmachten darf man nur mit Bedacht herausgeben. Das zeigte kürzlich eine Klage vor einem Zivilgericht in Niedersachsen: Eine 95-jährige Frau zog vor Gericht, weil sie von ihrer Tochter die ihr erteilte Vorsorgevollmacht zurückhaben wollte.

Warum das nötig wurde: Anderes als eine Betreuungsverfügung, ist eine Vorsorgevollmacht bereits dann schon wirksam, wenn die ausstellende Person (Vollmachtgeberin) noch gesund und fähig ist, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Alles was der Vollmachtempfänger zum Handeln braucht, ist die Vollmachtsurkunde. Zusätzliche „Sicherungen” gibt es grundsätzlich nicht. Die klagende Seniorin war im vorliegenden Fall der Meinung, ihre Tochter habe die für sie ausgestellte Vorsorgevollmacht missbraucht. Um weiteren Missbrauch zu verhindern wollte sie die Vollmacht nun wieder einziehen. So ist es ihr gutes Recht.

Was ermöglicht eine Vorsorgevollmacht?

Mit einer Vorsorgevollmacht autorisieren Sie die oder den Bevollmächtigten, Sie in verschiedenen Angelegenheiten zu vertreten: Er oder sie kann beispielsweise die Erlaubnis erhalten, sich um die Bankgeschäfte zu kümmern, Post entgegenzunehmen, kann Verträge abschließen und bei Behörden sowie Versicherungen vorstellig werden. Auch gesundheitliche Entscheidungen lassen sich auf den Bevollmächtigten übertragen. Für welche Bereiche (z. B. Vermögensverwaltung, Gesundheitssorge, Post- und Fernmeldeverkehr) er zuständig ist, kann in der Vorsorgevollmacht festgelegt werden. Zudem bestimmen Sie, wann die Vollmacht wirksam werden soll, z. B. sofort (d. h. sobald sie unterschrieben ist) oder erst im Falle Ihrer Geschäftsunfähigkeit. Da niemand kontrolliert, ob die Inhaber einer Vollmacht im Sinne des Vollmachtgebers handeln, kommt es immer wieder auch zu Missbrauchsfällen.

Wie kann ich mich vor Missbrauch schützen?

Generell sollten Sie eine Vorsorgevollmacht nur einer Person ausstellen, der Sie vollkommen vertrauen. Allerdings kann Vertrauen auch in die Brüche gehen, wie der oben beschriebene Fall zeigt. Eine gute Alternative zur Vorsorgevollmacht ist daher die Betreuungsverfügung. Damit legen Sie fest, wen Sie als gesetzlichen Betreuer wünschen oder auch ablehnen und welche Aufgaben der Betreuer übernehmen soll. Anders als bei einer Vorsorgevollmacht erhält der Betreuer seine Befugnisse erst, wenn ein Gericht ihn als solchen beruft. Er wird also erst bestellt, wenn Sie ihn wirklich brauchen. Das Gericht prüft vor einer Bestellung, ob ausreichender Grund für diese vorliegt und holt dazu beispielsweise regelhaft die Aussage Ihrer behandelnden Ärzte ein.

Falls Sie dennoch lieber eine Vorsorgevollmacht erteilen möchten, können Sie u. a. folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Wirksamkeit der Vorsorgevollmacht auf den Bedarfsfall, z. B. attestierter Geschäftsunfähigkeit, begrenzen
  • Genau definieren, welche Aufgaben der Bevollmächtigte hat und wie er sie erfüllen soll
  • Gegebenenfalls Befugnisse (z. B. den Zugriff auf das Vermögen) einschränken
  • Umgangsregeln festlegen, sodass der Bevollmächtigte beispielsweise nicht den Kontakt zu Familie und Freunden einschränken kann
  • Eine neutrale Person als Kontroll­be­vollmächtigten oder einen zweiten Bevollmächtigten mit Kontrollfunktion bestimmen
  • Entscheidungen im Bereich Gesundheit mit einer Patientenverfügung selbst treffen

Im Fall der Rentnerin lenkte die Tochter übrigens noch während des Verfahrens ein und sagte zu, die Vorsorgevollmacht wieder auszuhändigen.

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Ein Beitrag von

Annemarie Block

Marketing Managerin

Master of Arts Kommunikations- und Medienwissenschaft

Konzeptioniert und erstellt hochwertige Inhalte zu allen Themen Rund um die medizinische Vorsorge für Sie.

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