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Beitrag Süddeutsche Zeitung

„Die traditionelle Patientenverfügung muss als gescheitert gelten”

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15. September 2015

Dieses vernichtende Urteil fällt Jürgen in der Schmitten, Professor für Allgemeinmedizin an der Universität Düsseldorf, in der aktuellen Debatte um das Thema Patientenverfügung. Aus gutem Grund:

“Sie ist wenig verbreitet, bei Bedarf nicht zur Hand, selten aussagekräftig, von fragwürdiger Gültigkeit, und häufig wird sie vom medizinischen Personal nicht beachtet”, sagt in der Schmitten und fasst somit die Kernprobleme herkömmlicher Patientenverfügungen zusammen. Dass man dennoch vorsorgen sollte, um im Notfall seinen Behandlungswillen durchsetzen zu können, steht für den Mediziner außer Frage. Seine Alternative lautet „Advance Care Planning“, zu Deutsch etwa „umfassende Vorsorgeplanung“. Das Konzept basiert auf einem lebenslangen Gesprächsprozess zwischen dem (potentiellen) Patienten und einem geschulten Berater und wird bereits in Ländern wie den USA, Kanada und Australien seit Jahren angewandt.

Auch der Medizinethiker Georg Marckmann ist Verfechter des Advance Care Planning. Er bemängelt, dass viele Menschen Verständnisprobleme mit den Inhalten ihrer Patientenverfügung hätten und so unwissentlich Angaben machen, die im Widerspruch zu ihrem eigentlichen Behandlungswillen stehen. Der dialogische Prozess des Advance Care Plannings bietet hier die Gelegenheit, intensiv aufzuklären und Missverständnisse auszuräumen.

Ein Pilotprojekt haben in der Schmitten und Marckmann bereits letztes Jahr in drei Seniorenheimen im Rheinland gestartet. Deutschlandweit gibt es jedoch bisher nur wenige Initiativen, zur Förderung des Advance Care Planning.

 

Quelle:

Bartens, W.: Die traditionelle Patientenverfügung muss als gescheitert gelten, 15.09.2015, www.sueddeutsche.de

 

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