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ein Patientenverfügung-Vordruck wird aus dem Drucker geholt

Patientenverfügung zum Ausdrucken: Ein Tipp zur schnellen Lösung

10 min Lesedauer

27. November 2018 (aktualisiert am 21. Januar 2020)

Schnell und günstig erledigen: Das scheint für viele beim Thema Patientenverfügung die beste Lösung zu sein. Tatsächlich gibt es im Netz ein riesiges Angebot kostenloser Vorlagen und Formulare zum Ausdrucken. Sie versprechen einen schnellen Weg zur Vorsorge: Patientenverfügung ausdrucken, ausfüllen, unterschreiben – fertig. Fast immer bergen diese Vorlagen aber ein erhebliches Risiko. Wir zeigen Ihnen welches und verraten einen „Insidertrick“, der einer Sofortlösung für die Vorsorge am nächsten kommt.

In diesem Artikel erfahren Sie:

Haben Sie keine Zeit, den ganzen Artikel zu lesen? Dann können Sie auch direkt unser Fazit lesen.

 

Bietet eine kostenlose Patientenverfügung zum Ausdrucken einen wirksamen Schutz?

Nur noch den eigenen Namen eintragen, ein paar Felder ankreuzen, ausdrucken und unterschreiben: fertig ist die eigene Patientenverfügung. Eine Vielzahl von Vorlagen und Formularen verspricht genau das – und zwar gratis. Aber kommt man so schnell, einfach und vor allem ohne Geld auszugeben zu einer wirksamen Patientenverfügung?

Leider nein, denn es ist wie so oft im Leben: Wenn es zu schön klingt um wahr zu sein, dann ist es das auch. Eine wirksame Sofort-Patientenverfügung zum Ankreuzen und Ausdrucken existiert nicht. Denn die Wirksamkeit einer Patientenverfügung setzt voraus, dass in ihr sehr individuelle und sehr genaue Angaben zu erwünschten und unerwünschten Behandlungen gemacht werden.

 

Trotzdem ist das Internet voll von Vorlagen, Textbausteinen und Ankreuzformularen für Patientenverfügungen. Sie werden angeboten von privaten Unternehmen, Verbänden, Kirchen und Behörden: als PDF zum herunterladen, als Vorlage für Microsoft Word oder als Online-Ankreuzformular.

Viele dieser Angebote sind kostenlos, für einige wird viel Geld verlangt. Doch fast alle gaukeln dem medizinischen Laien falsche Sicherheit vor und sind daher aus der Sicht des Arztes für den (künftigen) Patienten brandgefährlich.

Denn im medizinischen Einsatzfall versagen sie in über 90% der Fälle. Erst 2019 wurde wieder eine Studie veröffentlicht, laut der nur jede 50. Patientenverfügung im Ernstfall den Patientenwillen wirksam schützen kann.

 

 

Wieso kann eine Vorlage nicht funktionieren?

Für fast alle Lebensbereiche, auch für die persönlichsten, finden sich im Netz oder in den Buchhandlungen taugliche Vorlagen und Formulierungshilfen. Daher scheint dieser Weg auf den ersten Blick auch naheliegend für die Patientenverfügung: Vorlage einfach übernehmen, allgemeine Textbausteine abwandeln, nur noch unterschreiben – fertig. Leider aber hat dieses Vorgehen einen gravierenden Nachteil.

Einerseits kann man so tatsächlich eine gültige Patientenverfügung erstellen. Denn das ist rein rechtlich betrachtet jeder Text, in dem ein volljähriger Verfasser sich in allgemeiner Form zu seiner künftigen medizinischen Behandlung äußert. Es gibt nur wenige rechtliche Bedingungen an diese Art der Gültigkeit. Zum Beispiel darf die Patientenverfügung keine Inhalte wie aktive Sterbehilfe umfassen, die gegen Strafgesetze verstoßen.

Andererseits ist diese grundsätzliche juristische Gültigkeit aber von der viel wichtigeren Frage nach der medizinischen Wirksamkeit zu unterscheiden. Und die ist bei einer kostenlosen Patientenverfügung zum Ausdrucken in der Regel nicht gegeben.

 

Was ist der Unterschied zwischen juristischer Gültigkeit und medizinischer Wirksamkeit?

Was juristisch gültig ist, ist noch lange nicht medizinisch ausreichend genau und damit im Ernstfall wirksam. Ein einfaches Beispiel macht das deutlich: Viele Vorlagen und Ankreuzformulare für Patientenverfügungen enthalten die – juristisch völlig einwandfreie – Aussage:

„Ich wünsche keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr, wenn der unmittelbare Prozess des Sterbens bereits begonnen hat.“

Persönliche Vorstellungen sind für Ärzte nicht nachvollziehbar

 

Auf den ersten Blick erscheint diese Aussage vielen Juristen und anderen medizinischen Laien völlig eindeutig. Ärzte hingegen lassen Formulierungen wie diese im Ernstfall verzweifeln.

Aus medizinischer Sicht beginnt nämlich der Prozess des Sterbens unmittelbar zum Zeitpunkt der Geburt. Der erste Tag unseres Leben ist auch der erste Tag unseres Sterbens. Doch dieser Tag ist sicher nicht gemeint.

Wahrscheinlich wird der Verfasser der jeweiligen Patientenverfügung eine bestimmte Vorstellung davon gehabt haben, wann bei ihm der Fall des „unmittelbaren Sterbeprozesses“ vorliegt. Das Problem ist nur: Woher soll der Arzt oder die Ärztin wissen, welche Vorstellung er davon hatte?

Beginnt das vermeintlich Unmittelbare aus der Sicht des Verfassers nun Minuten, Stunden, Wochen oder nur Sekunden vor dem Zeitpunkt des Todes? Und selbst wenn er dies ausdrücklich festgehalten hätte: Kein Arzt kann auf Minuten genau wissen, wann der Tod eintreten wird. Selbst erfahrene Ärzte können das nur in den aller seltensten Fällen vorhersagen, und dann auch nur auf Stunden genau.

Vorhersagen über die Zukunft sind schwierig

 

Vor diesem Hintergrund sind die in Filmen so beliebten wie dramatischen Dialoge zwischen Arzt und Patient darüber „wie lange man noch Zeit hat“ reine Hollywood-Fantasie.

Ein seriöser Arzt wird seinen Patienten praktisch nie Prognosen im Bereich von Tagen oder Wochen machen, denn das ist medizinisch meist nicht möglich. Bei jedem Menschen kommt immer eine Vielzahl von Faktoren zusammen, sodass der genaue Krankheitsverlauf unmöglich mit hinreichender Sicherheit vorhergesagt werden kann.

Letztlich sind also Ärzte bei solchen allgemeinen Formulierungen wie der vom „Beginn des unmittelbaren Sterbens“ auf ihre eigene, ganz persönliche Interpretation der Patientenverfügung angewiesen. Aber genau das soll eine Patientenverfügung eigentlich verhindern. Und damit ist die Verfügung für einen Arzt nicht mehr zu gebrauchen.

Warum sind Vorlagen und Textbausteine dann aber nicht einfach viel genauer? Weil genau hier die Schwierigkeit liegt: Um genau zu sein, bedarf es einer umfangreichen Analyse dessen, was ein Patient wünscht und einer ausführlichen Beratung darüber, was genau die Folgen seiner Festlegungen sind.

Formulare und Vorlagen versagen durch Ungenauigkeit

 

Ähnlich häufig findet sich in Textbaustein-Vorlagen und Formularen für Patientenverfügungen die Formulierung, man lehne „künstliche Ernährung“ ab. Auch sie erscheint vielen auf den ersten Blick eindeutig, ist aber ebenfalls fataler Unsinn.

Ob und wann eine Ernährung „künstlich“ ist, hängt ganz allein von der persönlichen Sichtweise ab. Ist es bereits „künstlich“, wenn ein Patient püriertes Gemüse über einen Strohhalm essen muss? Beginnt die „Kunstgrenze“, wenn er anstelle des Strohhalms im Mund einen dünnen Plastikschlauch von 30 Zentimetern in seiner Speiseröhre hat, über den das Gemüse in seinen Magen gelangt?

Diese Fragen werden viele Menschen sehr unterschiedlich bewerten. Woher soll ein Arzt im Ernstfall also wissen, was der Verfasser der Patientenverfügung tatsächlich meint?

Es sind diese Unbestimmtheiten, die dazu führen, das Vorlagen und Textbausteinsammlungen fast immer medizinisch versagen. Hier gilt die alte Weisheit: Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Man muss es so allgemein sagen: Gratisvorlagen für Patientenverfügungen sind ebenso wertlos wie kostenlos.

 

 

Wieso gibt es so viele wertlose Gratisvorlagen zum Ausdrucken?

Das Thema Patientenverfügung ist vielen Menschen zu Recht sehr wichtig. Eine Vielzahl von Religionsgemeinschaften, Interessengruppen und auch gewinnorientierten Unternehmen nutzen es daher, um mit scheinbaren Gratisangeboten einen „Fuß in die Tür“ zu bekommen. Sei es, um neue zahlende Mitglieder für ihre „Patientenschutzorganisationen“ zu gewinnen oder ihnen im Nachgang der kostenlosen Verfügung gegen Geld Zusatzleistungen wie eine Sterbegeldversicherung anzubieten.

Neben solchen leicht erkennbaren Absichten gibt es andere Gratisanbieter, denen mit Sicherheit keinerlei zweifelhafte Absichten zu unterstellen sind. Allen voran sind dies die Ministerien des Bundes und der Länder sowie einige Ärztekammern. Sie bieten auf Ihren Webseiten und in Geschäftsstellen ebenfalls umfangreiches Material, Textbausteine und Vorlagen zu Patientenverfügungen an. Sind die ebenfalls medizinisch zu allgemein und damit wirkungslos?

Auch wenn es zuerst unfassbar scheint: Ja, das sind sie und der Grund ist einfach. Weder Behörden noch Ärztekammern haben die Mittel zur Erstellung einer individuellen und wirksamen Patientenverfügung. Kostenlos kann es die umfangreiche Beratung, die für die Festlegung ganz persönlicher Bestimmungen notwendig ist, nämlich nicht geben – es seie denn, Sie haben einen Arzt im Familien- oder Freundeskreis.

Selbst Vorlagen von Ministerien und Ärztekammern erfordern eine zusätzliche ärztliche Beratung

 

Für eine Ärztin kann eine Sammlung von Textbausteinen zwar ein hervorragendes Werkzeug sein. Ein Laien aber erstellt so kaum eine wirksame Patientenverfügung. Formulare oder Vorlagen müssen nämlich naturgemäß so abgefasst sein, dass jeder  sie verstehen und benutzen kann. So aber kann die fertige Patientenverfügung nicht medizinisch exakt und damit praktisch wirksam sein.

Die Behörden und Ärztekammern sind sich dieses Widerspruches durchaus bewusst. Beim genauen Lesen der von ihnen herausgegeben Materialien findet sich daher auch fast immer der Hinweis, dass diese nur „allgemeinen Informationscharakter“ haben und vom Nutzer unbedingt unter fachlicher Anleitung konkretisiert werden müssen.

Das bedeutet, dass diese Behörden und Ärztekammern auch offen mitteilen, dass Sie als Leser mit den Vorlagen und Textbausteinen ohne zusätzliche Beratung eines Arztes keine wirksame Patientenverfügung erstellen können.

 

 

Wie kann man eine wirksame Patientenverfügung erstellen?

Wirksam kann eine Patientenverfügung nur sein, wenn sie detaillierte und eindeutige Angaben darüber macht, welche medizinische Behandlung man in welcher Situation wünscht oder nicht. Dabei muss der Verfasser auch zu erkennen geben, dass er sich über die eventuell weitreichenden Folgen einer Ablehnung im Klaren ist.

Zu einem solch eindeutigen Text gelangt man nur auf einem Weg: über die Inanspruchnahme ärztlicher Beratung und vor allem mit reiflicher eigener Überlegung.

Die Beratung kann man persönlich bei einem Arzttermin erhalten oder durch einen Dienst wie DIPAT, bei dem fachärztliche Beratung automatisiert zur Verfügung steht. An der Mühe persönlicher Überlegung führt kein Weg vorbei, wenn man eine Patientenverfügung wünscht, die den Namen wert ist.

 

Welcher „Insidertrick“ kommt einer Sofortlösung für die Vorsorge am nächsten?

Einen kleinen Trick für eine Vorsorge-Sofortlösung gibt es – leider aber nur für solche Menschen, die das große Glück haben, im Leben eine ebenso verlässliche wie seelisch und intellektuell belastbare Vertrauensperson zu haben. An eine solche Vertrauensperson kann man seine eigenen Entscheidungen über Leben und Tod mit einer sogenannten Betreuungsverfügung abgeben.

Die Begriffe BetreuungsverfügungPatientenverfügung und Vorsorgevollmacht sorgen allerdings regelmäßig für Verwirrung. Was genau ist da der Unterschied?

Die Patientenverfügung:

 

Sie ist das entscheidende Dokument für eigene Festlegungen zur künftigen medizinischen Behandlung. In ihr legt man fest, was man selbst möchte und nicht möchte.

Auch mit einem äußerst bequemen Dienst wie DIPAT muss man für ihre Erstellung ausreichend Zeit einplanen; in der Regel zwischen 15 Minuten und einer Stunde.

Wer jedoch eine Vertrauensperson hat, der er zutrauen und auch zumuten möchte, diese weitreichenden Überlegungen im Ernstfall zu übernehmen, kann ihr diese Verantwortung mit einem ganz anderen Dokument übertragen: Mit der Betreuungsverfügung.

Die Betreuungsverfügung:

 

Sie ist eine kurze schriftliche Festlegung dazu, welche Person im Fall der Fälle von einem Betreuungsgericht zum gesetzlichen Betreuer bestellt werden soll und sich dann, je nach Festlegung des Gerichtes, auch medizinische Entscheidungen treffen darf.

An diese Festlegung ist das Gericht jedoch formal nicht gebunden. Es ist frei, von diesem Wunsch des Verfasser abzuweichen, wenn es das für richtig hält. In der Praxis kommt dies jedoch nur selten vor.

In der zwischengeschalteten Kontrolle durch ein Gericht liegt denn auch der wesentliche Unterschied zwischen einer Betreuungsverfügung und einer Vorsorgevollmacht.

Die Vorsorgevollmacht:

 

Mit einer Vorsorgevollmacht kann der Verfasser direkt – ohne den Umweg über das Gericht – eine Person bestimmen, die medizinische oder auch andere Entscheidungen für den Vollmachtgeber trifft.

Was unkomplizierter scheint, kann zum entscheidenden Nachteil werden: Ist die Vorsorgevollmacht einmal ausgestellt und hält der Vollmachtsempfänger sie in Händen kann er sie unmittelbar einsetzen.

Wird der Vollmachtsempfänger dann beispielsweise gegenüber einem Vermieter tätig und kündigt die Wohnung des Vollmachtgebers, kontrolliert niemand mehr, ob der Vollmachtgeber tatsächlich wegen schwerer Krankheit derzeit selbst nicht selbst entscheiden kann. Das Missbrauchspotential einer Vorsorgevollmacht ist also grundsätzlich hoch.

Fazit:

 

Eine „Sofort-Lösung“ für Menschen, die auf eine wirksame Patientenverfügung noch verzichten möchten, ist die Errichtung einer Betreuungsverfügung (anstelle einer Vorsorgevollmacht). Eine Betreuungsverfügung ist mit einer Vielzahl kostenlos verfügbarer Formularen und Vordrucken aus dem Internet einfach und wirksam zu erstellen. Eine wirksame Patientenverfügung bleibt langfristig trotzdem die einzig sichere Lösung.

Autor: Dr. med. Paul Brandenburg, Facharzt für Allgemeinmedizin, Notfallmedizin

2 Kommentare

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  1. Tilo Arnholdt (04.03.2019 - 15:59 Uhr)

    Sie haben im Text einen Fehler, es muss sicher heißen:

    „Vorhersagen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.“

    Die in Filmen so beliebten wie dramatischen Dialoge zwischen Arzt und Patient darüber „wie lange man noch Zeit hat“ sind reine Hollywood-Fantasie. Ein seriöser Arzt wird seinen Patienten praktisch nie Prognosen im Bereich von Tagen oder Wochen machen, denn das ist medizinisch meist nicht möglich. Bei jedem Menschen kommt immer eine Vielzahl von Faktoren zusammen, sodass der genaue Krankheitsverlauf unmöglich mit hinreichender Sicherheit vorhergesagt werden kann. Letztlich sind ……………

    • Janine Kaczmarzik (07.05.2019 - 16:31 Uhr)

      Lieber Herr Arnholdt,

      vielen Dank für Ihre Anmerkung und Entschuldigung für die späte Rückmeldung unsererseits. Leider können wir keinen Unterschied zwischen der von Ihnen vorgeschlagenen und der von uns veröffentlichten Version des Artikels feststellen. Können Sie vielleicht noch einmal präzisieren, wo genau der vermeintliche Fehler im Text liegt?

      Vielen Dank im Voraus und viele Grüße aus Leipzig

      Ihr DIPAT-Team

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