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Ärzte im OP bei einer Operation

Damit Ärzte Sie nicht unnötig behandeln: 5 Experten-Tipps

3 min Lesedauer

6. Juni 2017

Nicht jede Behandlung ist wirklich notwendig. Oft stecken hinter Therapievorschlägen Gewinninteressen der Ärzte. Wie können Sie verhindern, dass Ärzte bei Ihnen zu viel machen? Mit diesen 5 Experten-Tipps finden Sie heraus, welche Behandlung Sie brauchen und welche nicht.

Ärztlicher Rat ist wichtig, wenn es um schwerwiegende Krankheiten geht. Was ist aber, wenn Ihnen eine medizinische Behandlung empfohlen wird, von der Sie nicht überzeugt sind? Dr. med. Paul Brandenburg, Gründer von DIPAT Die Patientenverfügung und Autor von “Kliniken und Nebenwirkungen” erklärt Ihnen, wie Sie herausfinden, ob Sie eine Behandlung wirklich brauchen. Mit diesen 5 Tipps können Sie verhindern, dass Ärzte zu viel bei Ihnen machen.

 

1. Werden Sie sich über Ihre Behandlungswünsche klar

Bevor Sie die Maßnahmen Ihres Arztes ablehnen, sollten Sie sich darüber klar werden, welche medizinischen Behandlungen Sie möchten. Was erwarten Sie genau von Ihrem Arzt und seiner Behandlung? Was nicht? Fragen Sie sich auch, ob Ihr Arzt das erfüllen kann.

 

2. Erstellen Sie eine Patientenverfügung

Sie sind sich über Ihre Behandlungswünsche im Klaren, können diese aber im Notfall nicht mehr mitteilen, weil Sie vielleicht bewusstlos sind. Was passiert dann? Halten Sie Ihre Wünsche schriftlich fest. Das geht nur mit einer Patientenverfügung, denn die ist für Ärzte verbindlich. Wirksame Verfügungen bietet etwa der Onlinedienst DIPAT. Mit diesem Service können Sie Ihre Patientenverfügung online erstellen. Dabei helfen Ihnen viele Beispiele und Erklärungen. Anschließend können Sie Ihre Patientenverfügung als PDF herunterladen und ausdrucken. Alle Vorteile (z.B. den 24-Stunden Notfall-Abruf) können Sie 30 Tage kostenlos nutzen.

3. Fragen Sie nach

Seien Sie nicht zurückhaltend. Es geht hier um Ihre Gesundheit. Fragen Sie Ihren Arzt, warum er gewisse Behandlungen empfiehlt, andere Methoden aber vielleicht nicht. Ein guter Arzt wird Ihre Nachfrage nicht als Kritik auffassen. Vielmehr gibt das Gespräch Ihnen die Möglichkeit, ein positives Verhältnis zu Ihrem Arzt aufzubauen.

 

4. Das Recht auf eine zweite Meinung

Besonders vor einer OP ist es sinnvoll, einen zweiten Arzt zu Rate zu ziehen. Ihr Anspruch auf eine zweite ärztliche Meinung ist sogar gesetzlich verankert. Mindestens 10 Tage vor dem Eingriff muss ein behandelnder Arzt seinen Patienten über das Recht auf eine zweite Meinung aufklären und ihn auf Listen mit möglichen Zweitgutachtern hinweisen. Mehrfache Untersuchungen sind dabei gar nicht notwendig. Bringen Sie einfach Ihre ärztlichen Befunde mit.

 

5. Der Arzt im Bekanntenkreis – ein Ass im Ärmel

Sie haben einen Arzt im Bekanntenkreis, der Sie während Ihres Krankenhausaufenthaltes besuchen kann? Perfekt! Wenn er sich den »behandelnden Kollegen« ankündigt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er Einblick in die Krankenakten bekommt und ein kurzes Fachgespräch mit ihnen führen kann. Diese Situation ist auch für den behandelnden Arzt beruhigend, weil er die Gewissheit hat, dass Sie nicht mit offenen Fragen allein gelassen werden.

 

Neue Datenbank zeigt Ärzte, die kein Geld von der Pharmaindustrie nehmen

Die meisten Ärzte üben ihren Beruf aus, weil sie im wahrsten Sinne des Wortes anderen Menschen helfen wollen. Im Klinikalltag stehen aber zunehmend wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Kein Arzt kommt daran vorbei. Behandlungen, egal, ob sie notwendig sind oder nicht, bringen Geld von der Krankenkasse ein. Aber auch die Pharmaindustrie unterstützt viele Ärzte finanziell. „71.000 Ärzte in Deutschland haben im vergangenen Jahr Zuwendungen von der Pharmaindustrie erhalten. Aber nur 29 Prozent von ihnen sind bereit, das offenzulegen.“1 Wenn Sie sehen möchten, ob Ihr Arzt finanzielle Mittel von der Pharmaindustrie bezieht, dann können Sie das in der neuen CORRECTIV-Datenbank sehen. Diese zeigt erstmals Ärzte in Deutschland, die kein Geld von der Pharmaindustrie annehmen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit „Überbehandlung“ beim Arzt gemacht? Schreiben Sie es in die Kommentare.

 

Quelle:
1 correctiv, Euros für Ärzte, 29.05.2017

1 Kommentar

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  1. Günther Probst (31.10.2017 - 12:33 Uhr)

    Die hauptsächlichen Probleme liegen wie folgt:
    die moderne Apparatemedizin kann allerhand am Patienten bewerkstelligen, Aber was und wie es letzlich gemacht werden wird, unterliegt dem wirtschftlichen Druck gegenüber den (Chef-) Ärzten seitens der Inhaber der Klinik. Die moderne Apparatemedizin kostet ein Haufen Geld.
    Solches wurde mir gegenüber durch Bundesbrüder nach deren Emeritierung geäussert.
    Ich fasse das Problem wie folgt kürzer: die moderne Medizin neigt eher zum Behandeln, statt zum Heilen.

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