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Entscheidungshilfen im Notfall bei fehlender Patientenverfügung

Jeden Tag werden zahlreiche Notfallpatienten in deutsche Krankenhäuser eingeliefert. Die wenigsten von ihnen sind im Besitz einer Patientenverfügung und nicht immer sind sich Angehörige über die anstehende Behandlung einig. Wie können Ärzte und Pflegende mit den daraus resultierenden ethischen Konflikten umgehen?

Allein etwa 390.000 Unfallverletzte gab es im Jahr 2015 im Straßenverkehr in Deutschland. Das sind rund 1050 Menschen am Tag1. Doch das ist nur ein Bruchteil dessen, was sich tatsächlich täglich in deutschen Notaufnahmen abspielt: Zählt man diejenigen hinzu, die sich aufgrund von Krankheiten oder andersartigen Unfällen in Krankenhäusern einfinden, kommt man auf schwindelerregende 54.790 Personen. Pro Tag2. Oft müssen innerhalb kürzester Zeit schwerwiegende medizinische Entscheidungen getroffen werden, doch nicht immer sind diese Entscheidungen einfach zu treffen.

Kann ein Notfallpatient sich bei der Einlieferung ins Krankenhaus selber nicht mehr zu seinen Behandlungswünschen äußern, muss das Rettungspersonal versuchen, den mutmaßlichen Patientenwillen zu ermitteln. Nur rund 3% der Notfallpatienten können bei ihrer Aufnahme eine Patientenverfügung vorweisen3 – darüber hinaus können lediglich Angehörige Einschätzungen zum mutmaßlichen Behandlungswillen des Patienten geben. Was aber, wenn die Patientenverfügung nicht eindeutig ist oder nicht vorliegt und die Angehörigen unterschiedlicher Ansichten sind?

Um in Notaufnahmen beschäftigtes Personal bei ethischen Fragen zu unterstützen, hat die Deutsche Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) eine „Checkliste Notfallpatienten“ herausgegeben4, die kostenfrei heruntergeladen werden kann. Gleichzeitig plädiert DGINA für die Errichtung von Ethikkomitees in deutschen Notaufnahmen, welches dem behandelnden Personal bei ethisch relevanten Fragestellungen zur Seite stehen soll. Laut einer Umfrage würden dies etwa 88% der befragten Ärzte begrüßen5.

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Paul Brandenburg bei DIPAT Die Patientenverfügung

Ein Beitrag von

Paul Brandenburg

Gründer und Geschäftsführer

Medizinstudium in Berlin und Japan. Forschung und Veröffentlichungen mit mehreren Preisen. Promotion an der Charité mit Auszeichnung durch die wissenschaftliche Fachgesellschaft. Ärztliche Ausbildung an Universitätskliniken in Deutschland und der Schweiz.

Als Facharzt seit 2011 deutschlandweit und international in der Notfall- und Intensivmedizin tätig. KulturSPIEGEL-Bestsellerautor und Publizist zum Gesundheitssystem. Regelmäßiger Gesprächspartner von Medien und Politik.

Zitate und Quellen

1 Statistisches Bundesamt: Zahl der Verkehrstoten steigt im Jahr 2015 voraussichtlich auf etwa 3450. 11.12.2015
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2 Gottfried, M.: Die Politik hat die Probleme der Notfallversorgung erkannt. 22.04.2015, http://www.vdek.com

3 Christ, M. et al.: Verfügbarkeit von Patientenverfügungen in einer interdisziplinären Notaufnahme. 2015, http://www.thieme-connect.de

4 Deutsches Ärzteblatt: Notfall- und Akutmedizin: Berufsübergreifendes ethisches Handeln. 2016, http://www.aerzteblatt.de

5 Padberg, J.: Ethische Probleme im Umgang mit Reanimation und Patientenverfügung in der Notaufnahme. http://www.dgina.de
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