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Ärzte führen Operation durch

Die Aussagekraft von Patientenverfügungen auf der Intensivstation

2 min Lesedauer

26. Oktober 2015

Patientenverfügungen sind für Ärzte zwar verbindlich, doch sind sie in Akutsituationen aufgrund zu pauschaler Formulierungen oftmals nicht anwendbar. Vor diesem Hintergrund untersuchten die Verfasser einer im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Studie, wie einerseits behandelnde Ärzte und andererseits Angehörige die Patientenverfügung eines sich auf der Intensivtherapiestation befindenden Patienten beurteilen.

In Zeiten des demografischen Wandels ist die Intensivtherapiestation (ITS) heute öfter denn je auch ein Ort des Sterbens. Zwar besitzt in Deutschland fast jeder Vierte eine Patientenverfügung, jedoch belegen vorangegangene Studien, dass diese auf der ITS nur bedingt Einfluss auf die Steuerung lebenserhaltender Therapien haben. In einer aktuellen Umfrage wurde nun erstmals untersucht, inwiefern Ärzte und Angehörige die Patientenverfügung in einer Akutsituation übereinstimmend bewerten.

Angehörige und Ärzte legen Patientenverfügung unterschiedlich aus

Sowohl innerhalb der Ärzteschaft (Oberärzte vs. Assistenzärzte) als auch zwischen Ärzten und Angehörigen gab es signifikante Unterschiede in der Bewertung der Patientenverfügungen. Lediglich in der Hälfte der Fälle stimmten die Beurteilungen der Patientenverfügungen überein. Hierbei legten Angehörige die Patientenverfügung als wortwörtlichen Leitfaden aus, während Ärzte den Inhalt freier interpretierten. Die Mehrzahl der Patientenverfügungen bestand aus vorformulierten Textbausteinen, die in den Augen der Intensivmedizinern unklar, widersprüchlich oder auf die tatsächliche medizinische Situation nicht anwendbar waren. Angehörige bewerteten die Patientenverfügungen zwar generell als hilfreich, doch in der konkreten Situation war auch ihnen die Bewertung der Anwendbarkeit oft nicht sicher möglich. Darüber hinaus ist es für die Angehörigen eine große Herausforderung, den Behandlungswillen des Patienten mit den eigenen Bedürfnissen in Einklang zu bringen. Oft leiden sie über einen langen Zeitraum unter erheblichen psychischen Folgen.

Das Ergebnis der Untersuchung verdeutlicht, dass die üblicherweise verwendeten Patientenverfügungen für intensivmedizinische Akutsituationen nicht geeignet sind. Hier bedarf es einerseits der Entwicklung verbesserter Vorausverfügungen, um Angehörige in ihrer Stellvertreterrolle zu unterstützen. Gleichzeitig sollte auch der Umgang mit Patientenverfügungen in die intensivmedizinische Aus- und Weiterbildung von Ärzten mit integriert werden.

 

Quelle:
Leder, N., Schwarzkopf, D. et al.: Aussagekraft von Patientenverfügungen in Akutsituationen. 23.10.2015, www.aerzteblatt.de

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